Werbung für Sterbegeldversicherungen arbeitet fast immer mit derselben Zahl: einem niedrigen Monatsbeitrag. Das ist die am wenigsten aussagekräftige Angabe im ganzen Vertrag, weil sie ohne die Beitragsdauer schlicht keinen Informationswert hat. Zwölf Euro im Monat sind über acht Jahre etwas völlig anderes als über dreißig.
Was die Verbraucherzentrale feststellt
Die Verbraucherzentrale hat ihre Einschätzung im August 2026 aktualisiert und kommt zu einem deutlichen Ergebnis: Sterbegeldversicherungen rechnen sich oft nicht.
Der Grund liegt in der Kalkulation. Solche Policen sind Risikoversicherungen auf den Todesfall, und das Sterblichkeitsrisiko steigt mit dem Alter. Je älter jemand beim Abschluss ist, desto höher fällt der Beitrag aus. Wer erst kurz vor oder im Rentenalter abschließt, zahlt über die Jahre unter Umständen mehr ein, als die Hinterbliebenen später ausgezahlt bekommen.
Das heißt nicht, dass ein solcher Vertrag für jeden falsch wäre. Es heißt, dass er sich nur mit vollständigen Angaben beurteilen lässt, und die stehen selten im Werbematerial.
Die acht Angaben
- 1Eintrittsalter. Es bestimmt den Beitrag stärker als jeder andere Faktor.
- 2Beitragshöhe. Der beworbene Betrag, monatlich oder jährlich.
- 3Beitragsdauer. Wird lebenslang gezahlt oder endet die Zahlung zu einem festen Zeitpunkt, etwa mit 85?
- 4Summe aller Beiträge. Beitrag mal Dauer. Diese Zahl steht in kaum einer Anzeige.
- 5Garantierte Versicherungssumme. Der Betrag, der sicher ausgezahlt wird, ohne Überschussanteile.
- 6Wartezeit. Zeitraum nach Vertragsbeginn, in dem noch keine oder nur eine eingeschränkte Leistung fällig wird.
- 7Leistung während der Wartezeit. Häufig nur die Rückzahlung der eingezahlten Beiträge, oft mit Ausnahme für Unfalltod.
- 8Kündigung und Rückkauf. Was passiert, wenn Beiträge nicht mehr gezahlt werden können?
Die eine Rechnung, die alles zusammenführt
Aus den Angaben 2, 3 und 5 ergibt sich die einzige Zahl, die den Kern trifft:
Summe aller Beiträge über die vorgesehene Laufzeit, geteilt durch die garantierte Versicherungssumme. Liegt das Ergebnis über 1, zahlt der Haushalt mehr ein, als sicher zurückfließt.
Ein Zahlenbeispiel, bewusst ohne Anbieterbezug: 25 Euro monatlich über 25 Jahre ergeben 7.500 Euro an Beiträgen. Liegt die garantierte Summe bei 6.000 Euro, ist das Verhältnis 1,25. Ob das akzeptabel ist, hängt davon ab, welchen Wert jemand dem sofortigen Schutz und der Zweckbindung beimisst. Aber diese Abwägung setzt voraus, dass die Zahl überhaupt bekannt ist.
Beispielrechnung zur Veranschaulichung des Prinzips, kein Angebot und keine Aussage über konkrete Tarife. Reale Verträge unterscheiden sich in Beitrag, Dauer, garantierter Summe, Wartezeit und Überschussbeteiligung erheblich.
Warum die Wartezeit eine eigene Prüfung verdient
Die Wartezeit entscheidet darüber, was in den ersten Jahren passiert. Tritt der Versicherungsfall in dieser Zeit ein, wird häufig nur zurückgezahlt, was bereits eingezahlt wurde. Für einen Haushalt, der gerade wegen des sofortigen Schutzes abschließen wollte, ist das die entscheidende Information.
Üblich ist außerdem eine Sonderregel für Unfalltod, bei der die Wartezeit häufig entfällt. Auch das gehört in den Vergleich, weil es die Tarife unterscheidet.
Beim eigenen Sparen ist die Lage dagegen transparent: Am ersten Tag steht genau der bereits angesparte Betrag zur Verfügung, nicht mehr und nicht weniger. Dieser Unterschied ist der eigentliche Grund, warum jemand eine Police überhaupt in Betracht zieht.
Gesundheitsfragen sind keine Großzügigkeit
Viele Tarife werben damit, ohne Gesundheitsprüfung auszukommen. Das ist Kalkulation, nicht Entgegenkommen. Wo nicht geprüft wird, wird das Risiko anders aufgefangen: über eine längere Wartezeit, über einen höheren Beitrag oder über eine niedrigere Anfangsleistung.
Tarife mit Gesundheitsfragen können günstiger sein, führen bei bestimmten Vorerkrankungen aber zu Ablehnung oder Zuschlägen. Beide Varianten sind legitim. Vergleichbar werden sie erst, wenn man sie mit ihren jeweiligen Bedingungen nebeneinanderlegt.
Was bei Zahlungsschwierigkeiten passiert
Ein Vertrag über zwanzig oder dreißig Jahre trifft irgendwann auf ein Jahr, in dem das Geld knapp ist. Deshalb gehören drei Fragen zu jedem Angebot:
- Kann der Vertrag beitragsfrei gestellt werden, und wie hoch ist die Leistung danach?
- Gibt es einen Rückkaufswert, und wie hoch ist er in den ersten Jahren?
- Lässt sich der Beitrag später anpassen?
Bei einer Kündigung in den ersten Jahren fällt der Rückkaufswert regelmäßig deutlich niedriger aus als die Summe der eingezahlten Beiträge. Wer diese Möglichkeit für realistisch hält, sollte das vor Vertragsschluss einrechnen, nicht danach.
Die richtige Bezugsgröße für die Summe
Eine Frage bleibt oft unbeantwortet: Wie hoch sollte die Versicherungssumme überhaupt sein? Die Antwort steht nicht im Angebot, sondern in der Gebührensatzung der eigenen Kommune und in einem örtlichen Kostenvoranschlag.
Die Spannen sind erheblich. Allein die Friedhofsgebühr für ein Sarg-Reihengrab reicht unter deutschen Großstädten von 887 Euro in Berlin bis 4.294 Euro in Moers. Eine Police über eine Standardsumme kann daher am eigenen Ort deutlich zu hoch oder deutlich zu niedrig sein. Wie sich der eigene Bedarf ermitteln lässt, steht im Beitrag zu den Friedhofsgebühren und dem zu den Kostenbestandteilen.
Der ehrlichste Vergleich stellt nicht zwei Policen gegenüber
Er stellt die Police gegen die schlichte Alternative: derselbe Monatsbetrag, derselbe Zeitraum, auf ein getrenntes Konto. Fällt der Vergleich zugunsten der Police aus, hat sie ihren Zweck erfüllt. Fällt er dagegen aus, kauft der Haushalt vor allem zwei Dinge: die Zweckbindung und den Schutz ab dem ersten Tag.
Beides kann Geld wert sein. Es sollte nur eine bewusste Entscheidung sein. Die Verbraucherzentrale nennt neben dem eigenen Sparen ausdrücklich auch den Bestattungsvorsorgevertrag mit abgesicherter Geldverwahrung als Alternative. Und wer eigentlich ein wegfallendes Einkommen absichern will, prüft ohnehin eine andere Produktkategorie.
Quellen
- Verbraucherzentrale: Sterbegeldversicherungen rechnen sich oft nicht. Stand 12.08.2026. Verwendet für die Bewertung, den Zusammenhang von Eintrittsalter und Beitrag sowie die genannten Alternativen. verbraucherzentrale.de
- Aeternitas, Verbraucherinitiative Bestattungskultur: Friedhofsgebühren aller Großstädte im Vergleich. Verwendet für die Größenordnung des tatsächlichen Bedarfs. aeternitas.de
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Verbraucherinformation. Er stellt keine Rechts-, Versicherungs-, Steuer-, Finanz- oder Sozialberatung dar und empfiehlt kein bestimmtes Produkt und keinen bestimmten Anbieter. Kosten und Vertragsbedingungen unterscheiden sich nach Region, Bestattungsform und Anbieter. Die Angaben beziehen sich auf den oben genannten Stand.